Offene Grundrisse: Simple Lösungen gegen die häufigen Nachteile

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Aktualisiert am 11.11.2021
Im Einfamilienhausbau gelten offene Gestaltungen schon seit einigen Jahren als Nonplusultra: Große, bodentiefe Fenster, dazu wenige bis teilweise gar keine Wände. Schick sieht das aus und es hat manchen Vorteil. Einige Besitzer stellen jedoch nach dem Einzug fest, dass ihr Haus dadurch auch ziemlich gut einsehbar ist, dass die Sonne es innen stark aufheizt, UV-Strahlung ausbleicht und dass es sowohl an der mit Innen- wie Außenwänden einhergehenden Stellfläche für Schränke, Sideboards und andere Möbel mangelt. Für Selbermacher ist das allerdings ein geringes Übel. Denn sie können viel tun, ohne den offenen, lichtdurchfluteten Charakter allzu sehr abzuändern – zumindest nicht für immer.

Mit Folie gegen unschöne Möbelrückseiten

  • Folie für Möbelrückseiten
    © ghazii / stock.adobe.com | Hat man einmal den Dreh raus, ist das Folieren keine sonderlich schwierige Arbeit.
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Eine offene Architektur zwingt die Bewohner, sich frühzeitig auf die Positionen der meisten Möbel festzulegen. Doch was man theoretisch plant, hält oft dem Praxistest nicht lange stand. Ergo wird umgestellt oder ergänzt – und so rückt oft manches Schränkchen vor ein bodentiefes Fenster.

Von innen mag das funktionieren, von außen weniger. Denn die Rückseite sehr vieler Möbelstücke ist nicht so gestaltet, dass sie sichtbar sein soll. Passanten, Nachbarn und Gäste sehen dementsprechend die Rückseite aus meist dünnem Pressfasermaterial.

Die Lösung findet sich in Form von undurchsichtigen Fensterfolien. Und zwar solchen, die in der Farbe der jeweiligen Außenwand beziehungsweise des Sockels gehalten sind – nicht der des Fensterahmens. Dadurch wirkt es angenehm kontrastierend.

Damit wird der untere Teil der Scheibe bis zur vollen Höhe des Möbelstücks von außen abgedeckt. Das ist durch die plane, rechteckige Scheibe eine sehr leichte Aufgabe. Zudem lässt die Folie immer noch gewisse Lichtmengen durch. Sehr gut also, wenn das Möbelstück in einiger Entfernung zum Fenster steht.

Soll es hingegen dicht daran stehen, empfiehlt es sich, ein solches Möbelstück zu nutzen, welches möglichst exakt in die Fensterlaibung passt. Dann verbleibt dahinter kein Spalt und es sieht sehr professionell aus.

Sonne gekont zähmen

  • Jalousien, Plissees und Co die Sonne zähmen
    © kazy / stock.adobe.com | Jalousien, Plissees und Co. sind enorm flexibel einsetzbar und ermöglichen so einen äußerst gezielten,…
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Einer der großen Vorteile derartiger Architekturen ist es, dass das ganze Haus tagsüber lichtdurchflutet wird. Damit einher gehen allerdings zwei beträchtliche Nachteile:

  • Sonnenstrahlung bedeutet Strahlungswärme. Alles, was im Haus erhellt wird, wärmt sich deshalb rasch auf. Gut im Winter, ganz schlecht im Sommer, weil die Sonne so selbst die teuerste Dämmung überwindet.
  • Fensterglas hemmt zwar UV-Strahlen etwas. Durch den Zeitfaktor kann es jedoch bei nicht speziell behandelten Fenstern dennoch dazu kommen, dass alles, was beschienen wird, mit der Zeit ausbleicht.

Nun gäbe es zwar eine Lösung in Form heruntergelassener Rollläden. Nur würde das einige untragbare Nachteile heraufbeschwören – vor allem den, dass es in der betreffenden Ecke des Hauses zu dunkel würde.

In heißen Regionen baut man dagegen seit Jahrhunderten vor. Dort werden die Fassaden außen von einer Art „Hutkrempe“ in Form umlaufender Vordächer gesäumt, die als undurchsichtige Sperre zwischen Sonne und Fenster liegen.

Die etwas weniger auffällige Lösung findet sich in Form von Plissees, Rollos oder Raffrollos. Diese sind enorm variantenreich, auch was die Montagemöglichkeiten anbelangt. Vor allem aber sind sie nicht gänzlich undurchlässig für Licht und stufenlos höhenverstellbar.

So kann in der oberen Fensterhälfte ein wirksamer Sonnenschutz eingerichtet werden, ohne dass die Helligkeit im Innenbereich zu sehr leidet – und ohne den Blick nach draußen zu versperren.

Gibt es breite Fensterfronten, besonders solche, die auch als (Terrassen-)Tür fungieren, kann zusätzlich oder alternativ draußen eine Markise installiert werden. Sie liefert einen ähnlichen Effekt wie die erklärten Vordächer.

Schränke und Regale zum Raumteiler machen

  • Schränke als Raumteiler
    © Victor zastol&#039;skiy / stock.adobe.com | Zwischen einem Regal und einem Raumteiler steht oft nur eine zu demontiernde Rückwand – und…
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Nur wenige Schrankmöbel haben wie erwähnt Rückseiten, die sichtbar sein sollen. Sie fallen schon deshalb als frei im Raum stehende Raumteiler aus – und weil sie im geschlossenen Zustand kein Licht mehr durchlassen. Allerdings kommt es im Höchstmaß auf das einzelne Möbelstück an, ob dieser Zustand so bleiben muss.

Denn bei vielen sind die Stirnseiten der rückseitigen Bretter und Wände unter der aufgenagelten Pressmaterialplatte ähnlich umsäumt wie die Fronten. Doppelt gilt dies für Massivholzmöbel. Und sowieso lässt sich notfalls mit Kantenumleimer dieser Zustand herstellen.

Das heißt, theoretisch ist es simpel, aus einem solchen Möbelstück einen beidseitig offenen Raumteiler zu machen:

  • Zunächst wird das leergeräumte Möbel mit dem „Gesicht“ nach unten auf den Boden gelegt.
  • Dann werden mit einem zwischengeschobenen Spachtel vorsichtig die Nägel etwas herausgehoben und mit einer Zange ganz entfernt – sind dagegen Schrauben verbaut, genügen Schraubendreher oder Akkuschrauber.
  • Die Rückwand wird abgehoben und beiseitegestellt.

Damit ist die Arbeit allerdings noch nicht getan. Denn die Rückwand gibt dem Schrank meist seitliche Stabilität. Ohne sie würde er wackeln.

Deshalb ist es jetzt nötig, ihn zu stabilisieren. Dazu gibt es drei Lösungswege:

  • Wände und Decken werden mit unscheinbaren Schraubwinkeln verbunden. Möglichst mittig, damit sie von beiden Seiten nicht so auffällig sind.
  • Es wird diagonal zwischen jeweils schräg gegenüberliegenden Ecken stabiler, aber dünner Draht gespannt.
  • Statt der undurchsichtigen Rückwand wird eine große Plexiglasplatte aufgeschraubt. Dafür kann das dünnst-mögliche Material genommen werden.

Der so präparierte Schrank beziehungsweise ein solches Regal stellt einen hervorragenden Raumteiler dar, selbst wenn er keine solche Abtrennungsfunktion wie eine vollständige Wand hat.

Alternativ genutzte Gardinen

Eine der am häufigsten beklagten Tatsachen von offenen Grundrissen ist es, dass jeder Gast mit einer Kopfdrehung im Zweifelsfall eine ganze Etage überblicken kann.

Entweder man akzeptiert diesen Umstand oder man wählt eine nonchalante Lösung. Diese bedingt nur das, was man auch zur Montage eines Lamellenvorhangs benötigt – inklusive der deckenmontierten Schiene.

Bloß wird diese nicht in Fensternähe montiert, sondern mitten im Raum. Dabei hilft es im Vorfeld enorm, mit farbigen Schnüren auf dem Boden einen gedachten Grundriss auszulegen, durch den die offene Raumgestaltung in mehrere „Zimmer“ unterteilt wird.

Basierend darauf werden eine oder mehrere Schienen an der Decke montiert. Da es diese in sehr flachen Designs und verschiedenen Farben gibt, ist hier eine sehr simple Anpassung an den Rest der Decke möglich. An der Schiene werden bodentiefe Vorhänge befestigt. Abermals empfehlen sich nicht allzu dicke Vorhangstoffe, damit das Licht nicht zu stark geschluckt wird.

Nachträgliche Wände als Wochenendprojekt

  • Trockenmauer bauen
    © Tomasz Zajda / stock.adobe.com | Trockenbau ist die perfekte Lösung, wenn eine Wand benötigt wird, diese aber ebenso wieder spurenlos…
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Manchmal gibt es Situationen, in denen es wirklich nichts bringt, auf Kompromisse zu setzen. Dann muss einfach eine blickdichte, durchgängige Wand her.

Falsch wäre es allerdings, dieses Vorhaben kopflos anzugehen. Denn immerhin ist es in solchen Architekturen eine Tatsache, dass Boden, Wände und Decken durchgängig sind. Es ist also etwas Fingerspitzengefühl vonnöten, um hier eine Wand nachträglich so einzuziehen, dass sie nicht wie nachträglich eingezogen aussieht.

Zunächst muss deshalb die Position mit sehr viel Bedacht festgelegt werden.

  • Läuft die Wand parallel zu Boden- oder Deckenbrettern, dann idealerweise so, dass sie auf beiden Seiten bis zu einer Fuge reicht.
  • Läuft die Wand quer zu solchen Brettern, dann am besten ebenfalls an Querfugen. Wenn das nicht möglich oder nötig ist, dann ist mehr Freiheit gestattet.

Eine einfache und simple Lösung ist die Vorgehensweise mit Trockenbauprofilen aus Metall. Sie werden an Boden, Wand und Decke verschraubt, auf beiden Seiten mit Gipskartonplatten verschalt und können zudem mit Dämmmaterial gefüllt werden. Außerdem ist die Installation von Steckdosen und anderen Elektrobauteilen möglich, sofern die Wand dicht an einer Abzweigdose konstruiert wird, die sich ohne frei verlaufendes Kabel „anzapfen“ lässt. 

Bildquellen:

© ArchiVIZ / stock.adobe.com
© ghazii / stock.adobe.com
© kazy / stock.adobe.
© Victor zastol'skiy / stock.adobe.com
© Tomasz Zajda / stock.adobe.com

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