Sperrholzarten: Aufbau und Funktion

Gestapelte Multiplexplatten
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Auch wenn der Sammelbegriff Sperrholz schnell dazu verleiten kann, jeden in diese Beschreibung passenden Werkstoff über einen Kamm zu scheren, gilt hier dennoch: Sperrholz ist nicht gleich Sperrholz! Vor allem sind es drei bestimmte Arten von Sperrholz, die im Baualltag gerne zur Anwendung kommen, sich aber in ihrer Fertigungsweise und ihren Eigenschaften wesentlich unterscheiden. Diese drei Sperrholzarten wollen wir nun etwas genauer unter die Lupe nehmen. In diesem Artikel stellen wir vor, wie sie aufgebaut sind und was sie auszeichnet.

Brettsperrholz

  • Verarbeitung von Brettsperrholz
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    © andre | Brettsperrholz kommt in dicken Platten mit zumeist drei kreuzweise übereinander gelegten Schichten daher. Der Werkstoff besitzt…
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Die drei wichtigsten Sperrholzarten unterscheiden sich zunächst nicht nach den verarbeiteten Holzsorten, sondern hauptsächlich nach dem Prinzip ihrer industriellen Fertigung. Beim Brettsperrholz etwa werden die einzelnen Lagen (drei bis sieben) jeweils im Winkel von 90° (in Ausnahmefällen auch 45°) längs zur Faserrichtung übereinander geschichtet und danach mit synthetischem, formaldehydfreiem Leim verbunden. Statt besonders hochwertigem Kernholz lassen sich hierbei auch die Seitenzonen der Stämme verarbeiten, was dennoch zu sehr guten Materialwerten in Bezug auf Steifigkeit und Festigkeit führt.

Als Haupteinsatzgebiet finden wir die rustikalen und meist sehr massiven Tafeln aus Brettsperrholz im Wohnungs- und Objektbau wieder, wo sie auch wegen ihrer hohen Feuerbeständigkeit besonders geschätzt werden. Weitere Einsatzmöglichkeiten bieten sich im Rahmen von energetischen Gebäudesanierungen an, da sich viele der handelsüblichen Dämmstoffe ausgezeichnet auf dieser Sperrholzart befestigen lassen.

Furniersperrholz

  • Dicke Multiplexplatten
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    © dvoinik | Furniersperrholz bietet den vertrauten Anblick mehrerer dünner Holzlagen, die übereinander angeordnet sind. Multiplexplatten…
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Teurer in der Herstellung, aber auch ausgesprochen formbar sind Wand- und Deckenverkleidungen sowie Möbelstücke, die aus Form- bzw. Furniersperrholzplatten gefertigt sind. Hierfür wird eine ungerade Anzahl an Furnierplatten bei Temperaturen zwischen 160 und 180 °C unter hohem Druck miteinander verleimt und abschließend nicht flach, sondern bereits entsprechend des finalen Produktes in Form gepresst. Aufgrund seiner hohen Formbeständigkeit lässt sich Furniersperrholz ausgezeichnet in der Möbelindustrie wie auch im Baugewerbe einsetzen. Vielleicht hat man ja gerade erst selbst in einem öffentlichen Verkehrsmittel auf einem Sperrholzsitz Platz genommen oder in der Küche eine neue Arbeitsplatte aus Furniersperrholz montiert?

Dank einfacher Weiterverarbeitungsmöglichkeiten sowie der sehr guten Materialwerte bezüglich Formbeständigkeit und Feuchtigkeitsresistenz findet dieser Vertreter unter den Sperrholzarten ein besonders breites Anwendungsspektrum, das von der Bau- und Möbelbranche bis hin zur Automobil- und Schienenfahrzeugindustrie reicht. Darüber hinaus eignet sich das langlebige und temperaturbeständige Naturholz sehr gut für den Einsatz in kühlen, feuchten und nassen Außenbereichen.

Stabsperrholz

Noch eine andere Form der Herstellung bietet das als extrem feuchtigkeits- und formstabil geltende Stabsperrholz. Hierfür werden parallel angeordnete Holzleisten bzw. -stäbe auf beiden Seiten mit quer dazu liegenden Absperrfurnieren verleimt. Die so eingeschlossene mittlere Schicht fällt entsprechend massiv aus. Beim Stäbchensperrholz besteht die mittlere Schicht dagegen aus dünnen Furnierstreifen, die senkrecht zur Plattenebene angeordnet und verleimt sind. Schwind- und Quellbewegungen lassen sich bei dieser Technologie beinahe vollständig ausschließen, was die Stäbchensperrholzplatten zwar ein wenig teurer, aber dafür bedeutend hochwertiger macht.

Stabsperrholz kommt der Qualität von Hartholz schon sehr nahe und lässt sich, besonders in der Möbelindustrie und dem Innenausbau, auch in der gleichen, unkomplizierten Art verarbeiten. Zu den weiteren Einsatzgebieten zählt dank geringen Eigengewichts der Fahrzeug- bzw. Wohnwagenbau. Den auch optisch sehr hochwertig wirkenden Stabsperrholzplatten begegnen wir sogar als dekorative Verkleidung in den Schiffskabinen oder auf dem Sonnendeck, wenn wir zur Erholung auf den Weltmeeren unterwegs sind.

Eine Frage der Qualität

  • Klassenzimmer mit Sperrholz-Garnitur
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    © Dmitry Vereshchagin | Ein vertrauter Anblick! Furniersperrholz finden wir als Formsperrholz überall im Alltag. Auch Lehnen und…
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Am Ende kommt natürlich doch noch das verwendete Holz ins Spiel. Der gewählte Ausgangswerkstoff, also die verwendete Baumart, ist ein wesentlicher Faktor für die spätere Qualität der Endprodukte bei allen drei Sperrholzarten. Pappel, Buche, Birke oder westindisches Mahagoni haben sehr unterschiedliche Eigenschaften, was Biegsamkeit, Elastizität, Feuchtigkeitsresistenz, Belastbarkeit und Gewicht anbelangt. Und sie unterscheiden sich auch optisch nicht unwesentlich. Es lohnt sich also, hierauf noch einmal gesondert in einem weiteren Artikel einzugehen.

Allen Heimwerkern, die an weiterführenden Fakten zu den Eigenschaften von Sperrholz interessiert sind und diesen umweltfreundlichen Naturbaustoff vielleicht demnächst in den eigenen vier Wänden einsetzen wollen, empfehlen wir außerdem einen Besuch auf dem Onlineportal des Tischlers und Berufsschullehrers Ole Welzel. Dort können u.a. die wichtigsten Informationen zu den aktuellen DIN- und EN-Normen heruntergeladen werden, was für die eigene Bauplanung durchaus hilfreich sein dürfte.

Auch wenn der Sammelbegriff Sperrholz schnell dazu verleiten kann, jeden in diese Beschreibung passenden Werkstoff über einen Kamm zu scheren, gilt hier dennoch: Sperrholz ist nicht gleich Sperrholz! Vor allem sind es drei bestimmte Arten von Sperrholz, die im Baualltag gerne zur Anwendung kommen, sich aber in ihrer Fertigungsweise und ihren Eigenschaften wesentlich unterscheiden. Diese drei Sperrholzarten wollen wir nun etwas genauer unter die Lupe nehmen. In diesem Artikel stellen wir vor, wie sie aufgebaut sind und was sie auszeichnet.
  • Verarbeitung von Brettsperrholz
    © andre | Brettsperrholz kommt in dicken Platten mit zumeist drei kreuzweise übereinander gelegten Schichten daher. Der Werkstoff besitzt eine hohe Steifigkeit und bietet gute Verarbeitungsmöglichkeiten. Zudem weist er eine hohe Feuerbeständigkeit aus. Das macht ihn auf Baustellen immer beliebter.
  • Dicke Multiplexplatten
    © dvoinik | Furniersperrholz bietet den vertrauten Anblick mehrerer dünner Holzlagen, die übereinander angeordnet sind. Multiplexplatten etwa weisen mindestens fünf solcher Schichten auf und fangen bei einer Stärke von 12 Millimetern an.
  • Klassenzimmer mit Sperrholz-Garnitur
    © Dmitry Vereshchagin | Ein vertrauter Anblick! Furniersperrholz finden wir als Formsperrholz überall im Alltag. Auch Lehnen und Sitzschalen von Stühlen sind oft aus diesem Material gefertigt, das gleich bei der Herstellung in die passende Form gebracht wird.
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