Eigenleistung beim Hausbau - Was ist möglich?

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Aktualisiert am 06.05.2020
Beim Bau des Eigenheims gibt es eine Menge Arbeiten zu erledigen, bis das Haus bezugsfertig ist. Für gewöhnlich sind die verschiedenen Gewerke dafür zuständig, die einzelnen Arbeitsschritte zu erledigen. Doch je nachdem, wie ausgeprägt das handwerkliche Geschick ist, können auch die Bauherren mitanpacken und einige Arbeiten in Eigenleistung erledigen. Wir erklären, was Bauherren problemlos selbst machen können und wo lieber der Profi ran sollte.

Kosten berechnen - Wie viel Kapital wird benötigt?

Keine Frage, ein Hausbau ist eine kostenintensive Angelegenheit. Das Eigenkapital reicht in der Regel nicht aus, um sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Ein wesentlicher Schritt vor dem ersten Spatenstich besteht daher darin, die Baufinanzierung zu regeln. Dazu müssen zunächst ein paar Eckdaten ermittelt werden, um möglichst gute Konditionen zu erhalten.

Im ersten Schritt werden die Einnahmen und Ausgaben der Bauherren gegenübergestellt und berechnet, wie hoch die monatliche Tilgungsrate höchstens sein darf. Als nächstes wird überprüft, ob und wie viel Eigenkapital in die Baufinanzierung einfließen soll. Je mehr Eigenkapital für den Hausbau eingebracht werden kann, desto günstiger fallen die Kreditkonditionen aus. Schließlich wird aus der monatlichen Tilgungsrate und dem Anteil an Eigenkapital die maximale Finanzierbarkeit berechnet, sprich wie viel das Haus insgesamt kosten darf.

Eine Möglichkeit, um den Kapitalbedarf zu senken, ist die sogenannte Muskelhypothek. Das bedeutet, dass die Bauherren manche Arbeiten am Haus selbst übernehmen, anstatt eine Firma damit zu beauftragen, und somit die Arbeitskosten entfallen.

Arbeiten für weniger geübte Heimwerker

  • Fliesen legen
    stock.adobe.com © dieter76 #215071039 | Mit etwas Übung ist Fliesen legen kein Problem.
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Wer ein wenig handwerkliches Geschick mitbringt, kann einige Arbeiten im Innenausbau erledigen, wie etwas Trockenbau-Komponenten zu verarbeiten oder das Dämmmaterial für Estrich und Dach anzubringen. Außerdem sind folgende Arbeiten möglich:

Bodenbeläge verlegen

Mit etwas Übung ist es für Heimwerker gut machbar, Bodenbeläge wie etwa Laminat zu verlegen. Ehe der Laminatboden verlegt wird, ist es wichtig, sich genau an den Verlegeplan und die Anleitung zu halten.

Vor der Verlegung auf mineralischen Unterböden (Anhydritestrich oder Betonestrich) und bei Laminatboden auf Fußbodenheizungen muss unbedingt eine geeignete Dampfbremsfolie zum Schutz gegen Feuchtigkeit verlegt werden. Anschließend folgt die Trittschalldämmung. Danach werden die Laminatpaneele den Bodenmaßen entsprechend zugeschnitten und Reihe für Reihe verlegt. Zu Wänden, Heizungsrohren, Pfeilern und Ähnlichem sollte ein Abstand von 12 bis 15 Millimetern eingehalten werden, der mit Abstandskeilen fixiert wird.

Für das Verlegen von Bodenfliesen muss man zwar kein Profi sein, aber doch etwas mehr handwerkliches Geschick mitbringen. Unser Ratgeber Fliesen legen für Anfänger hält dafür gute Tipps bereit.

Wände verfliesen

Ganz besonders, wenn es an das Verfliesen von Wänden geht, sind äußerste Präzision und Geschick gefragt. Denn Fliesen legen kann tückisch sein: Wer nicht exakt genug arbeitet, wird später kein zufriedenstellendes Ergebnis vorzuweisen haben. Damit im wahrsten Sinne nichts schiefgeht, und die Fliesen nicht wieder von der Wand abfallen, sollte man sich vorab mit der richtigen Herangehensweise vertraut machen.

Tapezieren

Beim Tapezieren ist darauf zu achten, dass die einzelnen Tapetenstücke richtig abgemessen und ohne Hubbel gerade an der Wand angebracht werden. Daher sollten alle Wände und Wandabschnitte, die tapeziert werden sollen, im Vorfeld exakt ausgemessen werden und absolut eben sein. Anschließend werden die Flächenmaße zusammengerechnet und einige Meter für Türrahmen, Fenster und den Verschnitt miteinkalkuliert. Daraus ergibt sich der Bedarf an Tapetenrollen. Sind die Bahnen zugeschnitten, werden sie mit Kleister bestrichen und an der Wand angebracht. Für gerade Hilfslinien eignet sich eine Lotschnur.

Anstreichen

Bevor es an den Anstrich geht, muss erst ermittelt werden, wie viel Farbe benötigt wird. Dazu ist es wichtig, die Wände exakt auszumessen und so die Zimmermaße zu berechnen. Gerade beim Farbmischen sollten Bauherren sehr großzügig sein für den Fall, dass ein zweiter Anstrich notwendig ist.

Ist die Farbe vorhanden, werden der Boden, die Fenster- und Türrahmen und gegebenenfalls die Fußleisten abgedeckt, damit keine Farbspritzer darauf landen. Mit einer Farbrolle wird anschließend die Farbe gleichmäßig auf der Wand aufgetragen. Für Stellen, die damit nicht erreichbar sind - wie zum Beispiel Ecken - nimmt man einen Pinsel zur Hand.

Arbeiten für erfahrene Heimwerker

  • Wände verputzen
    stock.adobe.com © lovelyday12 #277272265 | Erfahrene Heimwerker können die Hauswände selbst verputzen.
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Wer schon eine gewisse Erfahrung mit Handwerksarbeiten hat, kann sich auch an schwierigere Aufgaben heranwagen.

Wände verputzen

Das Verputzen einer Wand ist nicht so einfach, wie es den Anschein macht. Wer aber über das nötige Knowhow verfügt und Geschick hat, kann auch diese Arbeit erledigen.

Fenster und Türen einsetzen

Vor dem Einsetzen der Fenster muss sichergestellt werden, dass die Fensterlaibung aller Wände glatt und Staubfrei ist. Dann wird die Schutzfolie entfernt, die auf dem Fensterrahmen klebt, und der Fenstergriff am Fensterflügel montiert. Der Flügel wird anschließend ausgehängt. Im nächsten Schritt wird der Rahmen eingesetzt und ausgerichtet und die Dichtung am Rahmen angebracht. Sobald der Fensterrahmen mit dem Mauerwerk verschraubt ist, werden die Zwischenräume ausgeschäumt. Im letzten Schritt wird der Fensterflügel montiert und ausgerichtet.

Für das Einsetzen der Innentüren muss zunächst jeweils die Zarge der Anleitung entsprechend zusammengesetzt und anschließend gereinigt werden. Dann wird die Zarge auf dünnen Holzplättchen locker in die Türlaibung gestellt und die Bänder angebracht. Mit Keilen wird die Zarge im oberen Bereich fixiert und dann mit der Wasserwaage ausgerichtet. Weitere Keile werden angebracht, vor allem in Bänder- und Schließblechnähe. Die Zarge wird exakt eingepasst.

Danach werden Spreizhölzer oder Türfutterspreizer im oberen, mittleren und unteren Bereich der Türzarge eingesetzt und das Türblatt provisorisch eingehängt und auf gute Schließung hin überprüft, anschließend wieder abmontiert. Dann wird die Zarge ausgeschäumt. Nach dem Austrocknen des Montageschaums werden Keile und Holzplättchen entfernt.

Wenn die Zierbekleidung zusammengesetzt ist, werden die Türfutterspreizer entfernt und die Bekleidung gleichmäßig auf der Zarge angebracht. Dann kann das Türblatt eingesetzt werden. Zum Abschluss wird die Drückergarnitur montiert und damit die Schloss- sowie Griffrosetten mit Griff angebracht.

Bauherren, die handwerklich sehr erfahren sind, können außerdem bei den folgenden Arbeiten mithelfen: Bei der Sanitär- und Elektroinstallation und beim Verlegen der Heizungsrohre.

Das sollte der Profi erledigen

Bauherren, die in einem bestimmten Gewerk arbeiten oder zumindest eine entsprechende Ausbildung absolviert haben, können natürlich auch solche Arbeiten übernehmen, für die sonst eine Firma anrücken müsste. Wer aber nicht gerade selbst vom Fach ist, sollte folgende Arbeiten aus Sicherheits- und versicherungstechnischen Gründen lieber dem Profi überlassen.

Rohbau

Der Rohbau sollte unbedingt vom Fachmann erledigt werden. Er bildet das Grundgerüst, auf dem alle anderen Arbeiten aufbauen. Wird hier nicht ordnungsgemäß gearbeitet, gibt es undichte Stellen, ein schiefes Fundament oder der gesamte Rohbau ist unbrauchbar. Es sei, denn es werden sogenannte Bausatzhäuser errichtet, dann begleitet Dich ein Profi bei den Arbeiten und Du kannst auch den Rohbau selbst übernehmen.

Elektroinstallationen

  • Elektroinstallationen erstellen
    stock.adobe.com © astrosystem #271728531 | Die Elektroinstallation sollte besser der Profi übernehmen.
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Damit die Elektroleitungen nutzbar sind und der Strom dort ankommt, wo er hin soll, ist es besser, einen Elektriker diese Arbeiten erledigen zu lassen. Er stellt auch sicher, dass der fließende Strom später nicht zur Brand- oder Todesgefahr für die Hausbewohner wird.

Was viele nicht wissen: in Deutschland ist es Laien nah § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) sogar verboten, elektrische Anlagen, die an das Elektrizitätsversorgungsnetz angeschlossen sind, zu errichten, zu ändern oder instand zu setzen. Nur ein Profi weiß, wann das Arbeiten an Steckdosen, Lichtschaltern, Lampen und dergleichen ungefährlich ist und wie man den Strom ordnungsgemäß abstellt.

Sanitäre Installationen

Die Sanitäranlagen wie Waschbecken, Badewanne, Dusche, Toilette und Waschbecken sollte ebenfalls ein Fachmann installieren. Ansonsten kann es sein, dass es zu Wasserschäden und nassen Mauern kommt oder dass überhaupt kein Wasser fließt.

Installation der Heizungsanlage

Auch die Installation der Heizung ist was für den Profi. Wer ohne ausreichende Fachkenntnis ans Werk geht, riskiert, dass die Heizung nicht richtig funktioniert und dass die Mauern nass werden. Außerdem besteht bei einer nicht sachgemäßen Installation Brand-, Explosions- und Todesgefahr.

Möglichkeiten realistisch einschätzen

Im Prinzip gibt es einige Arbeiten beim Hausbau, die die Bauherren in Eigenleistung erledigen können – vor allem, wenn sie sich in dem ein oder anderen Bereich bereits gut auskennen. Trotzdem will der Anteil der Eigenleistung gut überlegt sein.

Ein Faktor ist die Zeit. Denn: Ein Laie erledigt spezielle Arbeiten nicht annähernd so schnell wie die Profis. Noch dazu haben berufstätige Bauherren nur nach Feierabend, am Wochenende und im Urlaub Zeit, um am neuen Haus zu arbeiten.

Ein weiterer Faktor, der nicht unterschätzt werden sollte, ist die Doppelbelastung: Parallel dem Beruf nachzugehen und ein Haus zu bauen, ist äußerst kräftezehrend. Wer sich zu viel zumutet, ist schnell überfordert. Der Aufwand ist meist größer als gedacht.

 

Bildnachweis:
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