Richtig Aufmaß nehmen: Tipps zum Vermeiden von Fehlern

Messwerkzeug liegt bereit
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Aktualisiert am 07.12.2018
So gut wie jedes DIY-Projekt beginnt mit dem Aufmaß der baulichen Situation. Egal ob für das Neuanlegen einer Terrasse, das Renovieren des Badezimmers oder beim Einbau neuer Fenster oder Türen: Am Aufmaß orientiert sich nicht nur die notwendige Menge an Baumaterialien und die genauen Abmessungen von Bauteilen, sondern auch der zu erwartende Arbeitsaufwand. Unstimmigkeiten oder Fehler können hier schnell zu Problemen führen. Besser also, wir zeigen einmal, worauf zu achten ist, um richtig Aufmaß zu nehmen!

Der richtige Maßstab

Je nach geplantem Vorhaben fällt das Aufmaß mehr oder weniger umfangreich aus. Für einfache Reparaturarbeiten genügt es oft, sich ein paar wichtige Maße zu notieren und gegebenenfalls eine kleine Skizze anzufertigen. Bei größeren Vorhaben kann es notwendig sein, einen richtigen Plan zu zeichnen.

Um sich für den passenden Maßstab zu entscheiden, muss klar sein, wie genau und detailliert der Plan sein soll:

  • Maßstab 1:100: Er zeigt einen vollständigen Überblick und beinhaltet die wichtigsten Außen- und lichten Innenmaße des Raumes oder des Gebäudes sowie von Wandöffnungen oder grundlegende Materialstärken.
  • Maßstab 1:50: Oft wird hier nur der relevante Baubereich dargestellt. Dabei sind bereits Wandtoleranzen oder andere Unregelmäßigkeiten festgehalten. Darüber hinaus gibt es Angaben zu wichtigen Konstruktionsdetails oder Materialien. Einzelheiten können als Ausschnitt nochmals größer dargestellt werden.
  • Maßstab 1:25: Bei dieser Größe lassen sich viele Bestandteile bereits schematisch und detailliert darstellen.
  • Größere Maßstäbe bis 1:1: Besonders relevante Details werden oft noch größer aufgezeichnet. Vor allem gibt es dann genügend Platz für weitere Maße oder zusätzliche Angaben. Muss ein Bauteil etwa an ein Wandstück angepasst werden, kann es hilfreich sein, Unebenheiten 1:1 auf einen Bogen Papier als Schablone zu übertragen.

Die richtigen Werkzeuge

  • Laser-Entfernungsmessgerät im Einsatz
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    © JRJfin | Technik macht das Leben leichter: Ein digitales Lasergerät kann beim Aufmaß eine sinnvolle Unterstützung sein und lotrechte…
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Zunächst ist natürlich ein Blatt Papier in ausreichender Größe und ein spitzer Bleistift notwendig. Für viele Situationen genügen darüber hinaus ein oder zwei Meterstäbe und gegebenenfalls ein Maßband in fünf oder zehn Metern Länge. Bei längeren Maßbändern existieren oftmals noch alte Exemplare mit einem Leinen- oder Textilband. Diese haben sich als ungenau erwiesen, weil sich das Material (Feuchtigkeitseinwirkung) dehnen oder zusammenziehen kann. Ein Stahlmaßband ist hier die bessere Option. 

Je umfangreicher das Aufmaß ausfällt, umso praktischer erweist sich ein Laser-Entfernungsmessgerät. Damit lassen sich nicht nur sehr einfach auch größere Distanzen exakt bestimmen. Oft ist bei den Geräten auch eine Bluetooth-Schnittstelle integriert. Dann können Messwerte direkt in eine entsprechende Software für ein digitales Aufmaß übertragen werden. Manche Exemplare eignen sich auch zum Messen von Winkeln oder können aus den Werten direkt Flächen oder Raumvolumina berechnen.

Um Durchmesser von Rohren oder anderen runden Bauteilen zu messen, kann ein Messschieber hilfreich sein.

Eine Schmiege wird notwendig, wenn Winkel gemessen werden sollen. Zum Ermitteln der genauen Gradzahl verwendet man bei analogen Schmiegen ein Geodreieck. Digitale Schmiegen zeigen den Winkel direkt auf dem Display an. 

Eine Wasserwaage oder auch ein Senklot sind immer dann wichtig, wenn in der Verlängerung von Bauteilen Maße genau lotrecht ermittelt werden müssen. Auch ein zusätzlicher Winkel, ein stabiles Lineal oder für längere Strecken eine Richtlatte können hier gute Dienste leisten. Beim Messen der Bodenhöhe oder von Unebenheiten an Boden oder Decke kommt oft eine Schlagschnur zum Anbringen des sogenannten Meterrisses zum Einsatz. Auch hier sind Lasergeräte eine praktische Alternative, wenn sie über einer Nivellierfunktion verfügen.

Um das Aufmaß später in einen sauberen Plan zu übertragen, leistet ein Dreikantmaßstab gute Dienste. Auf diesem besonderen Lineal sind auf den drei Seiten unterschiedliche Maßeinteilungen in den jeweiligen Maßstäben angebracht, insgesamt sechs verschiedene.

Typische Messfehler vermeiden

  • Zollstock und Stift liegen bereit
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    © Ideenkoch | Schnell haben sich bei der Planung Messfehler eingeschlichen. Eine Ursache, die leicht zu vermeiden ist: unleserliche Schrift…
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Im Folgenden haben wir häufige Situationen zusammengetragen, die ein besonders hohes Fehlerpotential in sich bergen. Wer die wichtigsten Stolperfallen kennt, kann hier von vornherein Ungenauigkeiten, falsche Angaben und Folgefehler vermeiden.

Unleserliche Aufzeichnungen: In der Hektik oder der Unordnung auf einer Baustelle werden Maße manchmal auf die Schnelle notiert. Der Bleistift war eventuell stumpf oder auf der Skizze können Maße nicht mehr genau zugeordnet werden. Wenn dann geraten werden muss, sind Fehler vorprogrammiert. Da sämtliche weiteren Schritte auf dem Aufmaß beruhen, sollte sich dafür jeder genügend Zeit nehmen und sorgfältig vorgehen. 

Unterschiedliche Maßsysteme: Vor allem bei Rohren und Anschlüssen im sanitären Bereich ist Vorsicht geboten. Denn hier sind auch bei uns nicht die metrischen Angaben, sondern Maße in Zollgrößen üblich. Wurden beim Aufmaß Daten in Millimetern oder Zentimetern notiert, müssen sie in der richtigen Weise umgerechnet werden. Anders als oft angenommen, funktioniert dies nicht im Verhältnis 1:1. 

Einer der häufigsten „Messfehler“ ist das fehlende Maß: Sei es aus Zeitersparnis oder aus Nichtwissen: Fehlen wichtige Angaben, kann dies gravierende Folgen haben. Ein gutes Beispiel ist hier die Lage von Steckdosen, Anschlüssen oder auch kleinen Vorsprüngen oder Kanten. Beim Anbringen und Montieren von Bauteilen können sich diese als lästiges Hindernis erweisen, oder es sind nachträglich zusätzliche Verlängerungen für Anschlüsse notwendig. Hier muss jeder den passenden Mittelweg finden und das Aufmaß so detailliert wie nötig ausführen. Auf verschiedene Details sollte man deshalb immer achten und diese stets mit erfassen:

  • elektrische Komponenten wie Steckdosen und Schalter, ggf. auch der Verlauf von Stromleitungen
  • sanitäre Anschlüsse wie Zu- und Ablauf,
  • Maueröffnungen wie Fenster, Türen, Durchbrüche, etc.
  • Vorsprünge von Fensterbrettern, Wandbekleidungen, Türzargen, Fußbodenleisten, Kaminen oder Ähnlichem
  • Stützen oder Pfeiler im freien Raum

Tipps zum Messen besonderer Details

  • Maß nehmen an einzelnen Bauteilen
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    © visivasnc | Mit Beginn des eigentlichen Projekts wird das Messwerkzeug noch lange nicht überflüssig. Auch während der Arbeiten ist es…
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Vor allem bei größeren Bauteilen ist es sinnvoll, die relevante Umgebung genauer auszumessen. Auch wenn es nicht auf den ersten Blick sichtbar ist, weisen viele Wände, Böden oder Decken Unebenheiten auf oder verlaufen schief. Bei Strecken von wenigen Zentimetern fällt dies nicht ins Gewicht. Auf mehreren Metern Länge können allerdings schnell Unterschiede von einigen Millimetern bis wenigen Zentimetern auftauchen. Dann müssen Lücken geschlossen oder Bauteile nachgearbeitet werden. Unter Umständen wird an manchen Stellen Material abgetragen, das dann an anderer Stelle fehlt. Wer direkt zu Beginn an mehreren Messpunkten die Maße ermittelt, kann mögliche Unregelmäßigkeiten von Anfang an mit einplanen. 

Wer Breite und Länge eines Bauteils ermittelt, sollte immer auch die Diagonalmaße von zwei verschiedenen Eckpunkten aus kontrollieren. Weichen die beiden Werte voneinander ab, ist das Bauteil höchstwahrscheinlich verzogen oder weist nicht in allen Ecken einen rechten Winkel auf. In diesem Fall sollten neben den Diagonalmaßen gegebenenfalls auch die einzelnen Winkelmaße gemessen und notiert werden. 

Nicht immer ist zum Messen des Durchmessers von runden Teilen ein Messschieber zur Hand. Oft kann dann ein verstellbarer Schraubenschlüssel (Engländer oder Franzose) weiterhelfen. Damit lässt sich der Durchmesser am Bauteil abnehmen und anschließend am Werkzeug abmessen. Eine weitere Alternative, etwa bei größeren Gegenständen, ist das Messen des Umfangs mit einer Schnur. Daraus lässt sich dann der Durchmesser berechnen: (d= (u /(2x Pi)) x2).

Für Verwirrung sorgen oftmals die vielen verschiedenen Maßangaben bei Türöffnungen. Damit am Ende die passende Türgröße bestellt oder gefertigt werden kann, ist es wichtig, die einzelnen Angaben richtig unterscheiden zu können:

  • Maueröffnungsmaß: Die tatsächliche Distanz zwischen den beiden seitlichen Wänden. 
  • Baurichtmaß: Ein Vielfaches der Länge 12,5 Zentimeter, die beim Bau als Grundmaß dient. Bei der Türöffnung ist dies das nächstmögliche Vielfache, das kleiner ist als das Maueröffnungsmaß.
  • Baunennmaß: Dieses ergibt sich aus dem Baurichtmaß und bezeichnet das tatsächliche Ausführungsmaß unter Berücksichtung zusätzlich nötiger Fugen.   
  • Lichtes Durchgangsmaß: Die Durchgangsbreite der eingebauten Tür von den Innenkanten der Zarge.
  • Futteraußenmaß: Das lichte Durchgangsmaß zuzüglich der Materialstärke der Zarge auf beiden Seiten.
  • Türblattaußenmaß: Die gesamte Breite des Türblattes.
  • Bekleidungsaußenmaß: Die Breite der gesamten Tür gemessen von den Außenkanten der Bekleidung.

Nicht nur vor einer baulichen Maßnahme, auch zwischendurch ist es wichtig nachzumessen, um die Genauigkeit der bisherigen Arbeiten zu kontrollieren und gegebenenfalls nachbessern zu können. Beim Mauern eines Hauses kommt man bei der Überprüfung der Rechtwinkligkeit des Mauerwerks allein mit einem Winkel nicht weit. Auch hier gibt es jedoch passende Möglichkeiten. Wie man dabei Schritt für Schritt vorgeht, zeigen wir in unserem Video Mauern einmessen.

So gut wie jedes DIY-Projekt beginnt mit dem Aufmaß der baulichen Situation. Egal ob für das Neuanlegen einer Terrasse, das Renovieren des Badezimmers oder beim Einbau neuer Fenster oder Türen: Am Aufmaß orientiert sich nicht nur die notwendige Menge an Baumaterialien und die genauen Abmessungen von Bauteilen, sondern auch der zu erwartende Arbeitsaufwand. Unstimmigkeiten oder Fehler können hier schnell zu Problemen führen. Besser also, wir zeigen einmal, worauf zu achten ist, um richtig Aufmaß zu nehmen!
  • Laser-Entfernungsmessgerät im Einsatz
    © JRJfin | Technik macht das Leben leichter: Ein digitales Lasergerät kann beim Aufmaß eine sinnvolle Unterstützung sein und lotrechte Hilfslinien projizieren.
  • Zollstock und Stift liegen bereit
    © Ideenkoch | Schnell haben sich bei der Planung Messfehler eingeschlichen. Eine Ursache, die leicht zu vermeiden ist: unleserliche Schrift! Die Zahlen sollten immer sorgfältig und erkennbar notiert werden. So viel Zeit muss sein!
  • Maß nehmen an einzelnen Bauteilen
    © visivasnc | Mit Beginn des eigentlichen Projekts wird das Messwerkzeug noch lange nicht überflüssig. Auch während der Arbeiten ist es notwendig Maß zu nehmen und bestimmte Details zu überprüfen.
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